Vorlesung

Meine erste Vorlesung … als Dozent

Um gleich mal einen Vorsatz für 2011 umzusetzen (mich mal wieder dem Blog widmen), bedarf es eigentlich nur mal eine halbe Stunde Zeit. Diese möchte ich gerne darin investieren, um ein paar Erfahrungen zu schildern, die ich als Gastdozent an der BA Rhein Main unlängst sammeln konnte.

Gegenstand der Vorlesung selber, war das Thema „Einführung in den Softwaretest“. Dieses Thema begleitete mich im Rahmen der Diplomarbeit, Bachelor-Thesis und seit einem Jahr auch in der Praxis als Tester und Test-Analyst in verschieden Projekten. Die Vorlesung selber ging 2 Tage mit jeweils ca. 5 Zeitstunden (incl. Pausen) und wurde wie folgt strukturiert.

1. Grundlagen des Softwaretests
(Begriffe / Fallbeispiele / Geschichte / Ökonomische Aspekte / Psychologie / …)

2. Testen im SW-Lebenszyklus
(SCRUM / V-Modell / Wasserfallmodell / …)

3. Testprozess & Rollen
(Darstellung der fundamentalen Testprozesses, Wer ist beteiligt? / Testorganisation)

4. Testmethoden
(Dynamische / Statische Testmethoden incl. Anwendung)

Das soll zur Einführung genügen. Diese Beitrag ist nicht auf den Inhalt der Vorlesung fo-kussiert. Vielmehr soll der Aufbau, Ablauf,  Besonderheiten aber auch didaktisch Überlegungen dargestellt werden. Es sei dabei  zu beachten, dass dies nur subjektive Eindrücke sind, da ich weder studierter Psychologe noch Pädagoge bin. Aber das macht ja nichts ;)

    • Zeit & Folien: Ich habe für die 2 Tage 119 Folien erstellt und war am Anfang besorgt, die Zeit würde nicht reichen. Gerade aber am ersten Tag merkte ich, dass man während der eigentlichen Einleitung sehr viel erläutert. Selber hantiert täglich mit den Basisbegriffen, sie dann aber verständlich darzustellen braucht seine Zeit. Am Ende hatte ich sogar eher zu viele Folien. Die Zeit lässt sich also eher schlecht planen, man sollte aber immer ein paar “Notfallübungen” mit unterschiedlichen Längen in der “Hinterhand” haben um diese bei Bedarf zu verwenden. Für diesen Fall habe ich folgende Idee gehabt – die Studenten haben nach der Einführung selber die Möglichkeit die Vorlesungsschwerpunkte zu wählen. Dazu habe ich 2 Themengebiete (Testdatenanonymisierung oder Testorganisation im Unternehmen) ihnen zur Auswahl bereitgestellt.

 

    • Unterbrechungen: Mehr als 30 – 45 Minuten am Stück, ohne Pausen ist eher schlecht für die allgemeine Aufmerksamkeit. Der Durchschnittsstudent hat eine Aufmerksamkeitsspanne von 15 Minuten, wenn er passiv eingespannt wird (d.h. nur zuhört). Das muss beachtet werden, der Dozent sollte regelmäßig durch Fragen an die Klasse, Übungen und auflockernden Maßnahmen die Aufmerksamkeit der Studenten fordern und fördern (an das Belohnen denken!).

 

    • Übungen sollten Zielgruppen gerecht sein. Man kennt es selber aus dem Studium, dass man von einem viel zu abstrakten und weltfremden Thema als Übungsobjekt konfrontiert wird und gleich am Anfang die Lust verliert.  Daher habe ich bspw. bei der Erläuterung des Themas “Entscheidungstabellen” die folgende Aufgabe gestellt: “Stellt euch vor, ihr seit in einer Disko – welche Bedingungen folgen welchen Aktionen wenn man ein Mann / Frau anspricht”. Die folgende Tabelle kam dabei als Beispiel heraus:
      Ein weiteres Highlight war die Erstellung eines Programmablaufdiagramms für einen Bierautomaten aus welchem Testfälle abgeleitet werden mussten. Als Fazit nehme ich mit, dass solche kleinen Übungen sehr gut in die Vorlesung reinpassen. Dabei sollte man seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen, da ich mir sicher bin, dass Studenten sich so die Methoden besser einprägen können, wenn sie sich damit identifizieren können. Achtung -> die Lösungen sollten auch korrekt und präsentierbar sein. Bei einer meiner Übungen ist mir ein Fehler unterlaufen, was zu leichter Verwirrung führt ;)

 

    • Ansprechende Layout und Präsentation ist ein Muss. Auch wenn der Inhalt bestimmend ist, folgt ein Student lieber eine Präsentation oder Übung die formal korrekt und ansprechend gestaltet wurde. Dabei helfen euch bspw. PowerPoint 2010. Aber Achtung -> Animationen werden als Ausdruck nicht mit dargestellt. Da viele Studenten die Unterlagen drucken, muss darauf geachtet werden, dass der Inhalt noch erkennbar ist. Wenn man Bilder als Links innerhalb der Präsentation aufzeigen will, kann man das in Verbindung mit Googles PICASA sehr gut bewerkstelligen. Vorteil -> Die Präsentation wird ausgeblendet, man kann im Bild zoomen und navigieren. Auch die Verwendung von Videos sollte in Betracht gezogen werden. Zum Thema Softwaretest gibt es wenig, aber diese als “besonderes” Element einzubauen macht Sinn.

 

  • Der Überraschungseffekt. Ich finde eine Vorlesung sollten Elemente haben, an den sich die Studenten auch nach der Vorlesung erinnern. Ich fand es schön (und das füllt auch die Vorlesungszeit) die Übungsaufgaben mit einer kleinen Story zu hinterlegen. Hier ein paar Beispiele:



    Das sollen ein paar Eindrücke meiner ersten Vorlesung für euch sein. Ich ermuntere jeden von euch, so etwas mal zu probieren. Die “Rollen zu vertauschen” hat sehr viel Spaß gemacht – auch bei einer Vorbereitungszeit von ca. 20 Minuten pro Folie (macht ca. 35 – 40 Stunden). Bei Fragen stehe ich euch gerne zur Verfügung.

    Ich möchte mich an dieser Stelle bei den Verantwortlichen bei meinem Arbeitgeber und vor allem der BA Rhein Main für die Unterstützung bedanken. Da die Unterlagen einmal erstellt sind und das entsprechende Feedback der Studenten mich weiter motiviert, steht der nächsten Vorlesung nichts entgegen ;)

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